Rheinpfalz berichtet: Die Historie der Privatklinik Gleisweiler
Als „Pfälzisches Nizza“ bekannt, steht Gleisweiler seit jeher für ein außergewöhnliches Klima und innovative Heilansätze. Die Rheinpfalz zeichnet die Entwicklung der Privatklinik nach – von den Anfängen bis heute. Lesen Sie jetzt den vollständigen Artikel oder laden Sie sich den Artikel hier als PDF herunter: Download
Das Pfälzische Nizza: Die Historie der Privatklinik in Gleisweiler
„In Gleisweiler gehen wir einer hochgelegenen Talmulde entgegen“, berichtet August Becker in „Die Pfalz und die Pfälzer“ anno 1857. „Es war ein glücklicher Gedanke des Dr. Schneider von Landau, hierher seine großartige Wasseranstalt zu verlegen, in dies kleine halbkreisförmige Hochtälchen, das von dem schönbewaldeten Berge schützend umschlossen wird, so daß kein raues Lüftchen die erhöhte Milde des Klimas zu stören wagt. Stattlich erhebt sich der geschmackvolle Bau aus dem Dunkelgrün, – eine offene Kolonnade und zwei vorspringende Flügel mit Atlanten geben ihm ein schlossähnliches Aussehen … Zur Seite steht ihm ein hübsches Schweizerhaus mit Ställen für die Esel, Kühe, Ziegen: es ist die Molkenanstalt und Molkerei und liegt samt der Bereitung von Molken in den Händen eines tüchtigen Schweizers aus dem Appenzeller Hochlande. Im Hauptgebäude befinden sich die höchst zweckmäßigen und eleganten Vollbäder, Duschen, Sprudel-Sitzbäder, ein Brausebad, zwei Augenduschen, ein Dampfbad, eine Dampfdusche und Einrichtungen zu Kräuter-, Kiefernadeln-, Salz-, Schwefel- und Stahlbädern.“
Heilen im „Wohl mildesten Klima Deutschlands“ Heilanstalt
Becker schwärmt auch von dem Park beim Kurhaus, mit seinen subtropischen Bäumen und Pflanzen. Und einem Kleinod in der Nähe: „Und eine halbe Stunde vom Kurhause entfernt, in dem wildromantischen Heinbachtälchen, steht die als Walddusche bekannte Badehütte, durch welche der ganze Heinbach fließt.“

Der Gründer der Heilanstalt, Ludwig Schneider, war am 8. September 1812 als Sohn des wohlhabenden Bierbrauereibesitzers Georg Jakob Schneider in Landau geboren. Er absolvierte das Gymnasium in Speyer und studierte danach Medizin an den Universitäten München, Berlin und Straßburg. Zunächst ließ sich Schneider als Dr. med. in Landau nieder. Dann erwählte er eben jene Talmulde bei Gleisweiler „mit dem wohl mildesten Klima Deutschlands“ als geeigneten Standort für sein Vorhaben. Die Gemeinde kam ihm dabei sehr entgegen, erwartete sie doch davon eine Belebung des Fremdenverkehrs und finanzielle Vorteile. Den Bau des imposanten Hauptgebäudes, das Becker als schlossähnlich bezeichnete, hatte wohl kein Geringerer als Hofbaumeister Leo von Klenze entworfen.
Unter dem Titel „Wasser- und Molken-Heilanstalt Gleisweiler bei Landau in der Pfalz“ veröffentlichte Schneider im März 1844 folgende Denkschrift: „Die wissenschaftliche Begründung, welche in den letzten Jahren die Wasserkunde erfahren, die Ausübung dieser Methode in der Privatpraxis entgegenstehen, ferner der Missstand, dass die Behandlung chronischer Krankheiten überhaupt oft den grössten Schwierigkeiten unterliegt, wenn sich die Patienten nicht in den zur Heilung erforderlichen günstigen Aussenverhältnissen befinden, der Antheil endlich, den das Publikum mehr und mehr an den Kuren nimmt, welche den erkrankten Körper auf dem einfachsten Wege zur Norm zurückführen: – dies waren die Gründe, welche den Unterzeichneten zur Errichtung genannter Anstalt bewogen haben. Die Anstalt, im verflossenen Jahre gegründet, wird nach Vollendung der inneren Einrichtung im Juli l. J. eröffnet.“ Weiter heißt es zur Therapie: „Die ärztliche Behandlung leitet der Unterzeichnete.“ Seine Tarife seien in jedem Zimmer ausgehängt. „Alle Anfragen, Anmeldungen etc. werden portofrei erbeten an Dr. Schneider. Landau in der Pfalz, im März 1844.“

Im März 1847 beantragte Dr. Schneider den Bau einer „sogenannten Walddusche in der Nähe des Bades Gleisweiler.“ Wobei sich „zu diesem Zweck eine Stelle des Gleisweiler Gemeindewaldes, die bis an den Hainbach heranreicht, am besten eignen würde.“ Die Walddusche ging 1849 in Betrieb und wurde bis in die 1870er Jahre benutzt.
Rückblickend schrieb Schneider 1853 in seinem Buch: „Ein mehrjähriger Aufenthalt in den besten Hofspitälern Deutschlands und Frankreichs (München, Berlin, Wien, Paris, Montpellier u. a.) und die daselbst gemachte Wahrnehmung, dass diejenigen Aerzte, welche sich der einfachsten Heilmittel bedienen, so wie die Chirurgen, die keiner zu complicierten Instrumente bedürfen, die glücklichsten Praktiker sind, erregte in mir den Wunsch, mich meinen Kranken auf ähnliche Weise nützlich zu machen.“ Das sei in einer „Hospitalpraxis“ besser möglich als in einer „Privatpraxis“ und erfordere „insbesondere günstige Außenverhältnisse vor Allem eine gesunde Luft“, damit „einfache, sogenannte Natur-Heilmittel zu möglichst guten Resultaten führen sollen. So verschaffte ich mir durch die Gründung einer selbstständigen Heilanstalt den zu solcher Thätigkeit nöthigen freien Standpunkt, und sehe nun mein neunjähriges, ununterbrochenes Wirken durch sehr günstige Erfolge belohnt. Mehr als 2000 in meinem Etablissement behandelte Kranke geben mir die Gelegenheit, die wichtigsten solcher Heilmittel und insbesondere die Wasserkur, die mit dem glücklichsten Erfolge gebraucht wird, genau zu würdigen.“
Prominente Besucher, auch mit Königstitel
Die Heilanstalt hatte bald regen Zuspruch gefunden, wie die von Schneider veröffentlichten „Cur-Listen“ und „Kurerfolge“ belegen. Über prominente Besucher berichtete unter anderem die Pfälzer Zeitung in Speyer: Nach Bezug der Villa Ludwigshöhe besuchte König Ludwig I. mit Gefolge mehrfach das Sanatorium. Im Spätjahr 1847 weilte Kronprinz Maximilian II. mehrere Tage dort. Im gleichen Jahr unterzog sich Kunstmaler Anselm Feuerbach einem Sturzbad. Von August bis September 1849 kurte Professor Justus von Liebig in Gleisweiler.

Aber es strömten auch Besucher und Sommerfrischler zum Sanatorium, wozu das Terrassencafé vor dem Hauptgebäude einlud, ebenso der an den Stil eines englischen Gartens angelehnte Park, in dem Konzerte und Feuerwerke stattfanden. Über die Jahrzehnte und Jahrhunderte hatte sich vor allem der Park mit seinen aus Nordamerika, China und Australien importierten subtropischen Gewächsen zum Anziehungspunkt entwickelt.
Hier wachsen im Freien Palmen, Koniferen, Zitronen, Feigen, Zypressen, Araukarien, echter Bambus, Affenbrotbäume, Taxus, Zedern, oder echte Alpenrosen. Ein über 150 Jahre alter Riesenmammutbaum mit einer Höhe von fast 50 Metern und einem Stammumfang von 7,35 Metern zählt zu den bedeutendsten Deutschlands. Der historische Sonnentempel aus dem 18. Jahrhundert, zuletzt im Besitz von Ludwig Schneiders Vater, steht an einer exponierten Stelle im Park und ist ein Ort der Rundschau, Ruhe und Entspannung.
Nach drei Jahrzehnten intensiver ärztlicher Tätigkeit übergab Ludwig Schneider die Heilanstalt an seinen Sohn Eduard Schneider. Mit seiner Frau Fanny verzog Ludwig Schneider zunächst zu einer Tochter nach Straßburg, dann nach Baden-Baden. Fanny Schneider, 1818 als Fanny Lobstein in Straßburg geboren, war nicht nur die gute Seele des Bades Gleisweiler gewesen, sie war auch aktiv an der Organisation und der Funktion des Heilbades beteiligt. Und sie hatte auch einen persönlichen Draht zum bayerischen Königshaus. Ihr Ehemann verstarb am 3. April 1878 in Baden-Baden. Dort verstarb auch Fanny Schneider am 23. April 1893.
Ein Nierenarzt entwickelt Fast- und Mastkuren
Eduard Schneider arbeitete eine Zeit lang mit dem russischen Arzt Mannasewitsch zusammen. Der Start war schwer, denn der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 verursachte das Fernbleiben der Patienten aus den ehemalig französischen Nachbardepartements. Dazu kamen bald auch gesundheitliche Probleme, sodass der Kurbetrieb litt und schließlich zum Erliegen kam.

Eduard Schneider hatte die 1847 in Moskau geborene Zeneide von Hildebrandt geheiratet. Da diese aber schon 1899 in Gleisweiler 52-jährig verstarb und ihr Gatte dann 1901 57-jährig, übernahm beider Tochter, Berha Helene (1877-1933) genannt Ella, die Heilstätte. Sie heiratete den 1870 im pfälzischen Lauterecken geborenen Nierenarzt Karl Hoenes. Das Hauptgebäude mit 80 Wohnräumen, Speisesaal, Musikzimmer, Lesezimmer und Billardzimmer wurde einer Generalrenovierung unterzogen – mit elektrischem Licht sowie Kalt- und Warmwasser in allen Zimmern.
Als Nierenarzt setzte Hoenes neue medizinische Schwerpunkte: Diätkuren für Magen-, Nieren- und Zuckerkranke; Mast- und Entfettungskuren. Dazu standen moderne Badeeinrichtungen zur Verfügung. Letztere besuchten auch Sommerfrischler intensiv. Die Beziehungen zum Haus Wittelsbach wurden durch Besuche der Prinzregenten aufrechterhalten.
Rudolf von Bomhard, ein Familiennachfahre, übernahm 1985 die Heilstätte. Er und seine Frau, Eva von Bomhard, gaben dem Haus einen neuen Namen, der zugleich die medizinische Neuausrichtung zum Ausdruck bringt: „Privatklinik Bad Gleisweiler, Fachklinik für Nerven- und psychosomatische Erkrankungen.“ Geschäftsführer ist heute Dieter von Bomhard, der Namenszusatz lautet nun „Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie“ (Infos gibt es online unter privatklinik-bad-gleisweiler.de).
Historische Walddusche wiederentdeckt
1990, an einem Morgen im Mai, erhielt Bürgermeister Josef Götz von Gleisweiler den Anruf eines Mitarbeiters. Der Mann berichtet, er habe am Vorabend einige Männer im Gleisweiler Wald nahe dem Heinbach beobachtet, die einen Rinnenstein auf einen Anhänger verluden und davonfuhren. Und im Wald lehnten noch weitere, fachmännisch behauene Sandsteinelemente zur Abholung. Ortsbürgermeister Götz hatte eine Vorahnung: Handelte es sich um Teile der historischen Walddusche, die vor über 110 Jahren aufgelassen und von den allermeisten vergessen worden war? Kurz darauf begann die Suche. Götz hatte recht – nach einigen Tagen konnte die Zulaufrinne unter hundertjährigen Erdhaufen und Baumbewuchs frei gelegt werden. Später fanden Helfer behauene Steine und Mauern mit den Ausmaßen von 7 mal 3,2 Metern.
Am 22. Mai 1992 konstituierte sich der „Förderverein zum Aufbau der ehemaligen Wanddusche“. Neben Mitgliedsbeiträgen und Spenden vergrößerte sich dadurch auch der Helferkreis auf über 20 Personen. So konnten die nötigen Maurer- und Betonarbeiten bewerkstelligt werden: Stützmauer, Umkleidekabine, überdachte Sitzgruppe, Wasserrinne und Einlaufstein und ein Zugang von Westen her entstanden.
Auch an die Fische wurde gedacht
Da sich der Verein zugleich dem Naturschutz widmet, wurde unter anderem auch eine Fischtreppe geschaffen. Insgesamt wurden 2300 freiwillige Arbeitsstunden erbracht, ein Großteil hat Ortsbürgermeister Götz selbst geleistet. Die Kosten der Anlage beliefen sich auf 25.000 Deutsche Mark. Nach Einholung der behördlichen Gutachten und Genehmigungen fand im August 1995 ein Probelauf der Walddusche statt – alles funktionierte.
Vor 30 Jahren, am 26. Juni 1996, fand dann die Einweihung statt. Die Walddusche Gleisweiler ist die einzige ihrer Art in Deutschland. An heißen Sommertagen herrscht dort reger Betrieb. Auskünfte erteilt der Fördervereinsvorsitzende Wolfgang Guth, Gleisweiler.
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